Wenn die Birke zum Angriff bläst

Pollenallergiker leiden in diesem Frühjahr wie lange nicht mehr. Schuld sind ungewöhnliche Wetterphänomene – und der Wachstumszyklus der Birke: Der Baum mit der weiß gescheckten Borke, einer der schlimmsten Allergieauslöser, hat dieses Jahr ein „Mastjahr“ eingelegt und produziert besonders viele Pollen.

Lieblingsbaum der Landschaftsgärtner

Bei ausgesprochen vielen Menschen treten Heuschnupfen und andere allergische Beschwerden in diesem Jahr zum ersten Mal auf. Kein Wunder: Von den gefürchteten Birkenpollen wurden im April 2018 mancherorts mehr als tausend pro Kubikmeter Luft gemessen. Das sogenannte Mastjahr der Birke zeigt sich darin, dass die Bäume viele Blütenkätzchen produzieren. Entsprechend viele Pollen gelangen in die Luft. Ungefähr jedes zweite Jahr erholen sich die Pflanzen von der zehrenden Blütenbildung. Die Pollenproduktion fällt dann erheblich schwächer aus.
Die Zahl der Birkenpollen, die durch die Gegend schweben, hat sich in den letzten 35 Jahren stetig erhöht. Der Baum wird äußerst gern angepflanzt, weil er schnell wächst und als ansehnlich gilt.

birkenwald

April-Wärme ließ die Blüten explodieren

Auch andere Gewächse blühen dieses Frühjahr außergewöhnlich stark. Das kommt von der merkwürdigen Wetterlage. Im März ist es noch einmal empfindlich kalt geworden. Die schon auf Touren gekommenen Pflanzen stellten die Pollenbildung zunächst zurück. Die Wärmewelle im April mit Temperaturen von bis zu 25 Grad bewirkte dann eine Pollenexplosion. Autokarosserien und Fensterscheiben färbten sich gelb. Regengüsse, welche die Pollen hätten wegschwemmen können, gab es kaum. Stattdessen tobten heftige Windböen. Die Pollenstaubwolken bliesen über das Land und trieben die Menschen massenhaft in Apotheken und Arztpraxen.

Immer mehr Menschen tränen im Frühjahr die Augen

Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Deutschen leiden unter einer Allergie – und es werden immer mehr. Bis zu 90 Prozent der Pollenallergiker kommen mit einem oder mehreren der 8 Hauptallergene nicht klar: Blütenstaub von Birke, Erle, Hasel, Esche, Roggen, Gräsern, Ambrosia oder Beifuß. Gelangen die nur mikrometergroßen Pollenkörner in die Atemwege, antwortet der Körper mit einer übersteigerten Abwehrreaktion. Die kann recht verschieden ausfallen. Häufige Symptome sind:

  • Fließschnupfen mit ständig laufender Nase
  • tränende Augen
  • Jucken in Nase, Mund und Rachen
  • allergischer Husten bis hin zu Asthma und Atemnot
  • Abgeschlagenheit und leichtes Fieber
  • Hautreizungen

Ein allergischer Schnupfen kann auch Entzündungen der Nasennebenhöhlen auslösen oder verstärken. Leidet man erstmals unter einer Allergie, ist es gar nicht so leicht, das Leiden vom grippalen Infekt zu unterscheiden. Aufschluss gibt eine ärztliche Untersuchung.

niesender mann heuschnupfen

Der Kuhstall härtet ab

Warum manche Menschen eine Allergie entwickeln und andere nicht, ist nicht ganz klar. Sicher ist, dass in weniger industrialisierten Weltregionen kaum Pollenallergien auftreten. Hierzulande bleiben Angehörige von Bauernfamilien meistens verschont. Gewöhnlich haben sie sich schon als Kinder regelmäßig in Ställen aufgehalten. Durch den häufigen Kontakt mit Keimen und Bakterien wird das Immunsystem wahrscheinlich besser trainiert.
In jedem Fall ist eine Pollenallergie eine ernst zu nehmende chronische Erkrankung. Sie kann sich bei Nichtbehandlung sehr schnell verschlimmern. Nicht selten tritt Empfindlichkeit gegen Pflanzenpollen mit anderen Allergieformen zusammen auf, zum Beispiel mit einer Hausstaubmilbenallergie.

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Klimawandel und Luftverschmutzung

Pollen fliegen mittlerweile fast das ganze Jahr über. Gegen Ende April beruhigt sich die Birke ein wenig, dafür beginnen Gräser ihre Aktivität. Beifuß und Ambrosia folgen im Hoch- bis Spätsommer. Je nach Witterung befinden sich lästige Pollen bis Oktober oder November in der Luft. Und schon im Januar oder Februar geht es bei vielen Allergikern wieder los. Dann treiben Frühblüher wie Hasel aus.
In Mitteleuropa hat sich die Pollenflugsaison in den letzten Jahrzehnten um zwei Wochen verlängert – weil es wärmer geworden ist und viele Pflanzen eher anfangen zu blühen. Hinzu kommt die unheilvolle Einfluss von Luftschadstoffen. Feinstaub und Ozon belasten schließlich auch die Pflanzen. In der Folge weisen ihre Pollen mehr allergieauslösende Proteine auf. Unter den Schadstoffglocken der Städte haben Allergiker es heute deshalb meist schwerer als auf dem Land.

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Einige Vorsichtsmaßnahmen helfen

Wer eine Allergie entwickelt hat, ist nicht schutzlos. Betroffene können ihr Leiden während der Pollensaison durch einige recht einfache Maßnahmen lindern:

  • Tragen Sie im Freien eine eng anliegende Brille, gegebenenfalls eine Sonnenbrille. Das hält Pollen von den Augen fern.
  • Reiben Sie nicht Ihre juckenden Augen, das verschlimmert den Reiz meistens nur. Bei sehr quälendem Juckreiz können Sie Augentropfen verwenden.
  • Wechseln Sie die pollenbestäubte Oberbekleidung, wenn Sie nach Hause kommen. Ziehen Sie die Jacke möglichst vor der Tür aus, lagern Sie Kleidung für draußen nicht im Schlafzimmer.
  • Waschen Sie vor dem Zubettgehen die Haare. Sie sind Pollenfänger par excellence.
  • Nachts ist der Pollenflug gewöhnlich am stärksten. Halten Sie die Fenster geschlossen oder bringen Sie Pollenschutznetze an.

 

allergene infografik

Medikamente für sofortige Linderung

Nasensprays und Augentropfen lindern einschlägige Beschwerden. Sogenannte Antihistaminika können Allergieschübe ganz unterbinden. Sie sind teils ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Die Mittel unterdrücken im menschlichen Körper den Botenstoff Histamin, der die Allergiesymptome mit auslöst. Die Ursache einer allergischen Erkrankung gehen Antihistaminika jedoch nicht an. Auch können sie Nebenwirkungen haben.
Bei anhaltendem allergischem Husten und Atembeschwerden sollten Sie in jedem Fall einen Arzt konsultieren. Für die Behandlung von allergischem Asthma gibt es verschiedene bewährte Medikamente. Sie müssen gewöhnlich inhaliert werden. Solche Mittel können zum Beispiel die Entzündung stoppen, die dem Husten zugrundeliegt, oder die Atemwege erweitern.

Abwarten ist nicht ungefährlich

Bei kurzzeitigen Abwehrmaßnahmen sollten Allergiker es jedoch nicht belassen. Eine zielgerichtete Behandlung einer Pollenallergie ist aus folgenden Gründen dringend anzuraten:

  • Bei etwa 30 Prozent der Heuschnupfen-Patienten entwickelt sich mit der Zeit allergisches Asthma. Das bringt anhaltende Beschwerden der Bronchien mit sich. Die begleitenden Atemprobleme können chronisch werden. Sie schränken die Gesundheit meist weitaus mehr ein als „nur“ ein allergischer Schnupfen.
  • Aus einer einfachen Pollenallergie kann eine sogenannte Kreuzallergie entstehen. Betroffene reagieren dann nicht nur allergisch auf Pollen in der Luft, sondern oft auch auf bestimmte Lebensmittel. Typisch ist etwa eine Birkenpollenallergie, die sich gleichzeitig in einer Unverträglichkeit von Äpfeln, Karotten oder Petersilie äußert.

Wenn Sie unter einer Pollenallergie leiden, ist dauerhafte Heilung möglich. Leisten kann dies ausschließlich eine spezifische Immuntherapie (bekannt auch als Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung). Die Heilungschancen sind umso größer, je weniger Zeit Sie nach dem Ausbruch der Allergie verstreichen lassen.

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Eine Immuntherapie kann langfristig helfen

Grundlage für eine spezifische Immuntherapie ist ein aussagekräftiger Allergietest. Bei der gängigsten Untersuchung, dem sogenannten Prick-Test, werden Auszüge wichtiger Allergieauslöser in die Hautoberfläche eingebracht. Anhand der Hautreaktion schließt der Arzt auf die Art der Allergie.
Bei der anschließenden Immuntherapie bekommt der Patient den allergieauslösenden Stoff in kleinerer Dosis verabreicht. Das geschieht meist per Injektion unter die Haut. Über Wochen steigert der Arzt langsam die Allergen-Dosis. Der Körper wird so langsam an die Allergene gewöhnt. Er schwächt die überschießende Immunreaktion oft ab oder stellt sie ganz ein. Erfahrungsgemäß ergibt sich bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten zumindest eine Linderung der Symptome. Die Immuntherapie geht bei den meisten Krankheitsbildern über drei Jahre und findet gewöhnlich in den Wintermonaten statt.

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Bei allergischen Erkrankungen stehen die Alpha-Ärzte Ihnen gerne bei

Die Mediziner der Alpha-Ärzte haben selbstverständlich geeignete Medikamente in ihrem Arztkoffer parat. Sie können allergische Schübe stoppen. Einer unserer Ärzte kommt jederzeit gerne zu Ihnen.
Sollten Sie unter lebensbedrohlicher Atemnot leiden, melden Sie sich am besten direkt beim Notruf unter 112. Der so alarmierte Rettungsdienst kann im Zweifel am schnellsten helfen. Alternativ können Sie sich in die Notaufnahme einer Klinik fahren lassen. Bei sonstigen allergischen Problemen untersuchen die Alpha-Ärzte Sie jederzeit – und machen Ihnen einen ganz individuellen Behandlungsvorschlag.

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